3.8. Die Formel – ein vielseitiges Modell

Es gibt unzählige Stoffe. Man will über sie reden. Wie soll man es machen ?

3.8.1. Namen für Stoffe

Einfach nur Namen

Fußnote 1 : Von diesen beiden Stoffen (Campher und Atropin) werden Sie im laufenden Abschnitt immer wieder lesen.

Eine gängige Methode, mit der Vielfalt der Dinge umzugehen, ist, jedem einen Namen zu geben. Schwefelsäure und Essigsäure, Benzol und Naphthalin, Luft und Leitungswasser, aber auch Berlinerblau, Campher und Atropin (→ Fußnote 1) sind solche Namen für Stoffe.

Fußnote 1 : Von diesen beiden Stoffen (Campher und Atropin) werden Sie im laufenden Abschnitt immer wieder lesen.

Vorteile – Namen haben große Vorteile. Man kann sie sich leicht merken – jedenfalls wenn sie geschickt gewählt wurden. Noch wichtiger ist, dass jeder Mensch anhand des Namens für sich eine Vorstellung von dem Ding erzeugen kann, das da benannt wurde. Das hilft, den Namen mit dem benannten Gegenstand (hier ist es ein Stoff) zu assoziieren.

Nachteile – Leider haben Namen 2 große Nachteile.

Fußnote 2 : Diese Zahl wird vom Chemical Abstracts Service genannt, der weltweit alle organischen und anorganischen Verbindungen registriert. Mehr über Reinstoffe erfahren Sie in Kapitel 3.7.1.

Der erste ist die Zahl der Stoffe. Ende 2020 waren über 168 Millionen Stoffe (und damit sind nur Reinstoffe, keine Gemische, gemeint) bekannt (→ Fußnote 2). Für jeden einen merkbaren Namen zu vergeben, ist unmöglich.

Fußnote 2 : Diese Zahl wird vom Chemical Abstracts Service genannt, der weltweit alle organischen und anorganischen Verbindungen registriert. Mehr über Reinstoffe erfahren Sie in Kapitel 3.7.1.

Der zweite Nachteil ist, das diese Namen eher zufällig vergeben wurden. Schwefelsäure enthält Schwefel, aber Essigsäure enthält keinen Essig, sondern ist in Essig enthalten. Und Salzsäure heißt so, weil man sie früher aus Kochsalz hergestellt hat. Berlinerblau wurde in Berlin erfunden, ist aber auch unter den Namen Preußischblau, Turnbulls Blau und mehreren anderen bekannt. Atropin ist nach seinem Vorkommen in der Tollkirsche, deren lateinischer Namen Atropa bella–donna lautet, benannt. Aus keinem dieser Namen kann man etwas über die Struktur der benannten Stoffe oder ihre Eigenschaften ableiten, und, was für alle in der Chemie Tätigen das Wichtigste ist, man kann aus den Namen nicht auf das Reaktionsverhalten schließen.

Trivialnamen – Trotzdem haben Namen wie die eben vorgestellten in einem gewissen Bereich ihre Bedeutung behalten. Sie dienen der schnellen und einfachen Kommunikation, wenn man oft benutzte und allgemein bekannte Stoffe benennen will. Sie heißen Trivialnamen.

Bald geht es hier weiter.

 

 

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